Liquidität verstehen
Warum Umsatz nicht gleich Geld auf dem Konto ist — und was Gründer mit ersten Mitarbeitern darüber wissen sollten.
Der Moment, in dem es konkret wird
Sie haben Ihren ersten Mitarbeiter eingestellt. Am 25. des Monats müssen Sie Gehalt überweisen. Gleichzeitig wartet ein Kunde noch auf seine Rechnung — oder hat die Rechnung bekommen, aber zahlt erst in 30 Tagen. Das Finanzamt möchte außerdem eine Umsatzsteuer-Vorauszahlung.
In diesem Moment merken viele Gründer zum ersten Mal: Umsatz und Geld auf dem Konto sind zwei völlig verschiedene Dinge. Und dass man für ein funktionierendes Unternehmen beide im Blick haben muss — nicht nur den Umsatz.
Diese Seite erklärt die wichtigsten Grundbegriffe und zeigt, warum Liquiditätsplanung für Gründer mit ersten Mitarbeitern eine andere Dimension annimmt als in der Soloselbstständigkeit.
Was ist Liquidität?
Liquidität beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, seine fälligen Zahlungsverpflichtungen jederzeit erfüllen zu können. Ein Unternehmen kann profitabel sein — also mehr einnehmen als ausgeben — und trotzdem illiquide werden, wenn Einnahmen und Ausgaben zeitlich nicht zusammenpassen.
Das klassische Beispiel: Sie haben im Januar Aufträge im Wert von 40.000 Euro abgeschlossen. Ihre Kunden zahlen in 60 Tagen. Ihre Gehälter, Miete und Lieferantenrechnungen sind aber Ende Januar fällig. Das Geld ist auf dem Papier vorhanden — aber nicht auf dem Konto.
Genau diesen zeitlichen Versatz zu planen und sichtbar zu machen ist das Ziel der Liquiditätsplanung.
Was die Liquidität beeinflusst
Für Gründer, die gerade erste Mitarbeiter eingestellt haben, gibt es eine Reihe von Faktoren, die die Liquidität stärker beeinflussen als in der Soloselbstständigkeit.
Lohn- und Gehaltskosten
Mit dem ersten Mitarbeiter entstehen regelmäßige, planbare Ausgaben — Bruttogehalt, Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, Lohnsteuer. Diese Kosten fallen monatlich an, unabhängig davon, ob Kunden pünktlich zahlen. Die Lohnsteuer ist zum 10. des Folgemonats fällig, Sozialversicherungsbeiträge in der Regel um den 26. des laufenden Monats.
Zahlungsziele und Forderungsmanagement
Im B2B-Bereich sind Zahlungsziele von 14 bis 60 Tagen üblich. Wenn ein Kunde mit einem Zahlungsziel von 30 Tagen zahlt und Sie gleichzeitig Gehalt, Miete und Lieferanten bezahlen müssen, entsteht ein Liquiditätsloch — auch wenn der Umsatz stimmt. Je mehr Kunden und je größere Rechnungsbeträge, desto größer kann dieses Loch werden.
Steuerliche Vorauszahlungen
Das Finanzamt erhebt vierteljährliche Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer (10. März, 10. Juni, 10. September, 10. Dezember) und — abhängig von der Unternehmensgröße — monatliche oder vierteljährliche Umsatzsteuer-Voranmeldungen. Diese Zahlungen müssen in der Liquiditätsplanung termingenau eingetragen werden. Wer sie vergisst oder unterschätzt, erlebt im März, Juni oder Dezember böse Überraschungen.
Saisonale Schwankungen
Viele Branchen haben ausgeprägte saisonale Muster. Wer im Sommer weniger Umsatz macht, muss trotzdem Gehälter zahlen. Wer im Dezember Aufträge abschließt, sieht das Geld erst im Januar oder Februar. Diese Schwankungen sind planbar — aber nur, wenn man sie in einem Liquiditätsplan abbildet, der weit genug in die Zukunft schaut.
Wie ein Liquiditätsplan aufgebaut ist
Ein Liquiditätsplan ist im Kern eine Tabelle, die für jeden Monat die erwarteten Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellt — und daraus den Kontostand am Monatsende berechnet.
Grundstruktur eines 12-Monats-Liquiditätsplans
| Position | Jan | Feb | … | Dez |
|---|---|---|---|---|
| Einnahmen | ||||
| Zahlungseingänge Kunden (netto) | — | — | … | — |
| Ausgaben | ||||
| Gehälter (brutto + AG-Anteil) | — | — | … | — |
| Miete und Betriebskosten | — | — | … | — |
| USt-Voranmeldung | — | — | … | — |
| EST-Vorauszahlung (Quartale) | — | — | … | — |
| Kontostand Ende Monat | — | — | … | — |
Die Tabelle zeigt die grundlegende Struktur. Im Workshop füllen Sie diese Tabelle mit Ihren eigenen Zahlen.
Was Gründer typischerweise beschäftigt
Brauche ich ein teures Planungstool?
Nein. Eine einfache Tabellenkalkulation — Excel, Google Sheets oder LibreOffice Calc — reicht für die Liquiditätsplanung in kleinen Unternehmen vollständig aus. Der Vorteil: Sie verstehen, was in der Tabelle passiert. Sie können sie selbst anpassen. Und Sie sind nicht von einem Software-Anbieter abhängig.
Wie weit im Voraus sollte ich planen?
Ein Planungshorizont von 12 Monaten hat sich für junge Unternehmen bewährt. Er ist lang genug, um saisonale Schwankungen und steuerliche Fälligkeiten sichtbar zu machen — und kurz genug, um mit realistischen Annahmen arbeiten zu können. Der Plan sollte monatlich aktualisiert werden.
Was ist der Unterschied zwischen Liquiditätsplan und Businessplan?
Ein Businessplan beschreibt das Geschäftsmodell und enthält oft eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Der Liquiditätsplan fokussiert sich ausschließlich auf den zeitlichen Verlauf der tatsächlichen Zahlungsströme — also wann Geld kommt und wann Geld geht. Beide Instrumente haben ihre Berechtigung, dienen aber unterschiedlichen Zwecken.
Muss ich dafür BWL studiert haben?
Nein. Die Grundprinzipien der Liquiditätsplanung sind logisch und nachvollziehbar. Was oft fehlt, ist nicht Intelligenz, sondern ein strukturierter Einstieg — jemand, der die Konzepte in die richtige Reihenfolge bringt und zeigt, wie man sie auf das eigene Unternehmen anwendet. Genau das ist das Ziel des Workshops.
Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Bildung und ersetzen keine individuelle Steuer- oder Unternehmensberatung. Für konkrete steuerliche Fragen — insbesondere zu Vorauszahlungen und steuerlichen Fälligkeiten — wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Steuerberater.
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